Teddybär went back home

„Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär!“ Diesen Hinweis gaben uns die Ranger_innen am Anfang unserer Reise mit auf den Weg. Sie waren nicht so sehr besorgt darüber, dass die Bären unser Essen riechen. Die geruchsdichten Zipperbeutel fallen eher unter die Kategorie gewinnbringender Zusatzverkauf im Outdoorfachhandel. Wichtig war ihnen nur, dass die Bären auf keinen Fall unsere Lebensmittel essen, damit sie Menschen nicht mit Nahrung assoziieren. Auch hierauf hat sich die Outdoorindustrie spezialisiert und verkauft gut geeignete, aber völlig überteuerte Kevlar-Säcke und Plastik-Container.

Ein Schwarzbär auf der Suche nach Lachs

Die Bären beschäftigen unsere ganze Familie. Marla hängt ihre Spielsachen gern an Seilen überall auf und “Bär” gehört (nach “Hi!” und “Bye bye!”) zu eines von Mikas ersten Worten.

“Papa, wo hängen wir heute das Essen auf?”

 

Zelten mit Bären und Kindern erfordert Disziplin. Unsere abendliche Zeltplatzwahl beginnt mit der Suche nach (frischen) Bärenspuren.

Diese Spuren sind keine halbe Stunde alt.

Wenn wir keine Hinweise auf Bären in der Nähe finden, bauen wir unser Lager in einem Dreieck auf. Wir essen einhundert Meter vom Zelt entfernt und hängen, wiederum einhundert Meter entfernt, unser Essen in die Bäume.

Auch der Anhänger parkt (meistens unterm Tarp) in sicherer Entfernung vom Zelt, da sich die Brotkrümel schwer aus den Ritzen kratzen lassen.

Neben den Lebensmitteln muss auch unser restliches geruchsintensives Hab und Gut (Müll, Seife, Zahnpasta, Feuchttücher, Kochgeschirr, vollgeschmadderte Picknickdecke und Matschhosen … ) auf den Baum oder zumindest in den Anhänger.

Nach drei Monaten im bear country haben wir eine gewisse Routine entwickelt. Wir erkennen die geeigneten Bäume schneller und haben unsere Seilwurftechniken perfektioniert. 😉 Trotzdem dauert das Prozedere jeden Abend ungefähr eine halbe Stunde und trotz aller Vorsicht passiert es ab und an, dass wir beim Auspacken der Taschen im Zelt noch eine leere Müsliriegelverpackung entdecken und noch einmal raus müssen. Dann freuen wir uns, wenn wir nicht auf den Baum klettern müssen, sondern eine einfachere Alternative gefunden haben, um unser Essen zu verstauen.

An Brücken lässt sich das Essen viel besser als an Bäumen hochziehen oder vielmehr abseilen.
Auf der Rückseite von bärensicheren Mülleimern lassen sich die Lebensmittel unter die Müllbeutel schieben. Klingt gewöhnungsbedürftig, ist aber enorm zeitsparend! 😉
Am einfachsten ist es auf den Zeltplätzen, wo es eigens hierfür vorgesehene Metallschränke gibt.

Bislang hatten wir – toi, toi, toi – noch keine Begegnung mit Bären am Zelt. Wir haben eine Handvoll Grizzlys und ein gutes Dutzend Schwarzbären auf und neben der Straße gesehen. Manchmal mussten wir warten bis sie die Straße geräumt haben. Die meisten haben jedoch nur kurz hoch geschaut und sich nicht weiter für uns interessiert. Auf dem Fahrrad sind wir auch froh darüber, die Bären nur aus der Ferne zu sehen. Um sie nicht zu überraschen, klingeln wir mit unseren Glocken am Lenker, wenn wir schnell bergab fahren. Für den Fall der Fälle liegt das Bärenspray stets griffbereit auf der Vorderradtasche. Es hat ein Weilchen gedauert, bis wir das Glück hatten, einen ganzen Nachmittag Aug’ in Aug’ mit einer Bärenfamilie zu verbringen und – hinter der gefühlten Sicherheit eines Holzzaunes – die Eltern beim Fischen und die Kinder beim Klettern auf den Bäumen zu beobachten.

Marla steht der Respekt ins Gesicht geschrieben. Der Bär sitzt zehn Meter entfernt (links im Bild).

Was für ein aufregendes Erlebnis diesen majestätischen und zugleich doch so eleganten Tieren zuzusehen!

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