¡Feliz cumple, Velomerica! – Drei Jahre in Zahlen

Vor einem Jahr in San Agustín (Kolumbien)

Nach 21.741 Kilometern zwischen Fairbanks in Alaska und Entre Lagos in Patagonien stehen unsere Räder vorerst still. Bei durchschnittlich dreizehn Kilometern in der Stunde haben die Kinder also ca. 1.672 Stunden in den letzten drei Jahren im Anhänger verbracht. Das mag im ersten Moment viel erscheinen, relativiert sich jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass Kinder durchschnittlich die gleiche Zeit ihres Lebens vor einem Bildschirm verbringen.

Unseren zwanzigtausendsten Kilometer feierten wir in San Juan (Argentinien).

Im Gegensatz zu den Kindern hat unser Anhänger zum Ende hin leichte Ermüdungserscheinungen gezeigt. Je schwerer die Kinder wurden, desto öfter brach die Federung: Das erste Mal am Ende des zweiten Jahres und noch zwei weitere Male im dritten Jahr. Wohingegen sich die Blattfeder relativ einfach ersetzen ließ, war die Achse, die ebenfalls zweimal brach, schwieriger zu reparieren. Es wird langsam Zeit, dass die Kinder selbst radeln. 😉

Letztendlich konnten wir den Anhänger jedoch stets wieder zusammenbasteln und unterm Strich hat er erstaunlich gut durchgehalten.
Die FollowMe-Tandemkupplung, mit deren Hilfe Marla über eintausend Kilometer durch Mexiko geradelt ist, war super für sie, aber leider zu schwer für Marilyne. Wir brauchen also eine andere Lösung.

Unser Anhängerreifenverbrauch bewegte sich im letzten Jahr mit zwei Paar im Rahmen des üblichen Verschleißes. Wenn nach ca. zweitausend Kilometern der Pannenschutz sichtbar wird und Schwalbe den sofortigen Austausch der Reifen empfiehlt, kitzeln wir noch ein, zwei weitere Megameter aus ihnen heraus. Spätestens nach viertausend Kilometern sind sie jedoch wirklich hinüber. Laut Hersteller soll der Marathon Plus deutlich über zehntausend Kilometer halten. In den letzten drei Jahren hatten wir viel Zeit darüber zu spekulieren, warum sich die Reifen so schnell abnutzen, trotzdem am Anhänger (im Gegensatz zum Fahrrad) weder Antriebs- noch Lenkkräfte wirken.

Ein Erklärungsversuch: Bei hohen Geschwindigkeiten werden die Räder in den Kurven seitwärts gezogen.
Konstruktionsbedingt weisen die Räder Spiel an der Achse auf. Dadurch sind sie zwar leicht abzunehmen, wackeln aber.
Das zulässige Maximalgewicht haben wir – vorsichtig formuliert – ausgereizt.
Und nicht zuletzt forderte der Zustand der Pisten unser Material sehr heraus. Auf dieser Reise haben wir 2.850 Kilometer, sprich ca. 13 % der Gesamtstrecke, auf Schotter zurückgelegt.

Plattentechnisch war das letzte Jahr ein gutes Jahr. Die Anhängerschläuche ließen lediglich zweimal Luft. Auch die zwölf Platten an unseren Rädern können sich in Anbetracht von insgesamt einundfünfzig Platten in drei Jahren durchaus sehen lassen.

Schlauchwechsel auf der Ruta 40 (Argentinien)

Dafür stehen sich unsere Räder nun schon seit zwei Monaten coronabedingt ihre Schläuche platt. Das erklärt auch, warum wir im letzten Jahr „nur“ 6.351 Kilometer geschafft haben – nach 7.134 Kilometern im zweiten und 8.256 Kilometern im ersten Jahr. Nachdem die Anden unseren Tagesschnitt auf dreißig Kilometer gesenkt hatten, sind wir auf der Ruta 40 förmlich geflogen. Über die letzten drei Jahre hinweg ist unsere durchschnittliche Tagesetappe mit einer Länge von zweiundvierzig Kilometern konstant geblieben.

Das frische Rot der Fahrradtaschen in Alaska …
… ist drei Jahre später in Argentinien ausgeblichen.

Die Anden waren in vielerlei Hinsicht rekordverdächtig. Auf den Abfahrten haben wir unsere längste Tagesetappe auf einhundertzehn Kilometer ausgebaut und den Tacho bei vierundsiebzig Stundenkilometern an den Anschlag gebracht. Berghoch standen oft nur drei Stundenkilometer auf dem Tacho. Dafür konnten wir unsere erradelte Höhe noch einmal fast verdoppeln – von 1.376 m am Top of the World Highway in Alaska über 2.716 m in der Sierra Madre Occidental in Mexiko auf 4.869 m in der Cordillera Blanca in Peru.

Wir haben achtzehn Viertausender-Pässe überquert.
Zu Fuß waren wir sogar auf über 5.000 Metern.
Unser höchster Schlafplatz lag auf 4.636 Metern.

Die Weite der Anden hat uns im dritten Jahr erlaubt, endlich wieder mehr zu zelten. Wenn wir nicht gerade zwei Monate Corona ausgesessen oder einen Monat auf eine neue Achse gewartet haben, konnten wir immerhin jede zweite Nacht zelten. Das war zwar nicht ganz so viel wie im ersten Jahr in den USA und Kanada, aber immerhin doppelt so viel wie im zweiten Jahr in Mexiko und Zentralamerika. Dafür sind wir nicht mehr so oft von Einheimischen eingeladen worden wie im zweiten Jahr.

Wir haben auf der Reise zwei Beobachtungen gemacht: Je einsamer die Gegend, desto gastfreundlicher die Menschen. Doch je wärmer das Klima, desto eher werden wir nach Hause eingeladen.

Ein trauriger Rekord ist den Verkehrssitten im Andenland Peru geschuldet. Wir messen diese ganz objektiv mit unserer Fahne am Anhänger, die als Abstandshalter quer in den Verkehr hineinragt. Im ersten Jahr wurde die Fahne lediglich einmal in den USA berührt. Allerdings ist die Statistik möglicherweise ein wenig verzerrt, da wir den Abstandshalter erst seit Oregon nutzen. Auch in dem halben Jahr, in welchem wir Mexiko durchquert haben, wurde sie lediglich einmal gestreift. Im darauffolgenden halben Jahr in Zentralamerika ist sie hingegen dreizehn Mal touchiert worden. In Südamerika wurde sie innerhalb eines Jahres sogar fünfzehn Mal berührt, allein sechsmal davon in Peru. Darüber hinaus wurden wir in Südamerika dreimal angefahren, davon wiederum zweimal in Peru. In der Summe sind uns andere Verkehrsteilnehmer*innen in den letzten drei Jahren also dreiunddreißig Mal nachweislich zu nah gekommen. Zum Glück sind wir immer mit einem Schrecken davon gekommen.

Nachdem ein Auto in Argentinien so dicht an uns vorbeigefahren ist, dass die Fahne abbrach, mussten wir sie notdürftig (mit schwarzem Klebeband) schienen.
Marilyne hat auf den letzten Kilometern eine Schwimmnudel als Abstandshalter getestet.

Eine schöne Ablenkung von diesen unangenehmen Erfahrungen war wie immer der Besuch aus der Heimat. Auch im dritten Jahr sind wir noch nicht ganz vergessen worden. 😉

Besuch von Esther in Peru
Familienbesuch in Peru …
… und Argentinien. Von den insgesamt zehn Besuchen auf dieser Reise war die Hälfte familärer Natur.

In den letzten drei Jahren sind wir nicht nur über zwanzigtausend Kilometer nach Süden geradelt, sondern – fast unbemerkt – auch jedes Jahr zwei Zeitzonen nach Osten. Nach den anfänglich zehn Stunden in Alaska, trennten uns zum Schluss in Patagonien nur noch vier Stunden von der mitteleuropäischen Zeit.

Die abnehmende Zeitzonendifferenz hat die Kommunikation mit der Heimat zunehmend vereinfacht.

Nach sieben Zeitzonen und sechzehn Ländern auf dem amerikanischen Doppelkontinent, hat uns Corona einen vorzeitigen Sprung nach Europa machen lassen. In Frankreich harren wir nun der Dinge. Damit im lockdown keine Langeweile aufkommt, sortieren wir unsere knapp dreißigtausend Fotos. Jetzt wissen wir auch, warum die Reise so lange gedauert hat: Wir haben jeden Kilometer mindestens einmal angehalten, um ein Foto zu schießen. 😉

Und die meisten davon an einem Tag auf dem Salar de Uyuni in Bolivien. 🙂

2 Antworten auf „¡Feliz cumple, Velomerica! – Drei Jahre in Zahlen“

  1. Fakten Fakten Fakten…
    Die Zahlen auf dem tisch – das gefällt mir 😉

    Wieder ein sehr schöner Beitrag, der bestimmt den Taschenrechner zum glühen gebracht hat, aber damit auch mein Statistiker-Herz erwärmt hat.

    Allerliebste Grüße,
    Olaf

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