¡Feliz cumple, Velomerica! – Zwei Jahre in Zahlen

Vor einem Jahr in La Paz (Mexiko)

Pünktlich zu unserem zweiten Jahrestag überqueren wir unsere vierzehnte Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador. Neunmal sind wir auf dem Landweg und fünfmal übers Meer in ein neues Land gereist. Die panamaischen Zollbeamt_innen waren die einzigen, die dabei unser Gepäck kontrollieren wollten, was sie aber nach einem kurzen Blick in den Anhänger aufgegeben haben. 😉 Ihre belizianischen Kolleg_innen haben für die Sichtkontrolle unserer Räder eine Gebühr erhoben. Alle anderen Zollbeamt_innen haben ihre Arbeit ohne zusätzliche Gebühren verrichtet.

Mexiko verließen wir auf dem Seeweg in Richtung Belize.

Die für die Personenkontrolle zuständigen Grenzbeamt_innen in Mexiko und Zentralamerika haben uns hingegen öfter zur Kasse gebeten. In Mexiko wollten sie die Einreisegebühr bei der Ausreise erneut berechnen. In El Salvador wollten sie uns trotz verlängerter Aufenthaltsgenehmigung bei der Ausreise eine Strafe verhängen, weil wir angeblich die uns gewährte Aufenthaltszeit überschritten hätten. In Nicaragua legte der Grenzbeamte den Wechselkurs für die Ausreisegebühr im eigenen Ermessen fest. In Costa Rica mussten wir die Ausreisegebühr in einem privat betriebenen Kiosk bezahlen, der dafür wiederum eine zusätzliche Gebühr erhoben hat. In Panama sind wir das erste Mal nach einem Weiterreiseticket gefragt worden und es hat einiges an Überzeugungsarbeit gekostet, dem Beamten zu erklären, dass wir als Radreisende keine Tickets buchen. Verglichen damit sind die Grenzübertritte in Südamerika deutlich entspannter.

¡Bienvenido a la República del Ecuador! ¡Feliz cumple, Velomerica! 🙂

15.390 Kilometer stehen mittlerweile auf unseren Tachos, wovon wir 7.134 Kilometer im zweiten Jahr zurückgelegt haben. Da wir einen Monat länger pausiert haben, sind wir 1.122 Kilometer weniger als im ersten Jahr geradelt. Unsere durchschnittlichen Tagesetappen konnten wir hingegen von 42 auf 43 Kilometer im zweiten Jahr steigern, was vor allem daran lag, dass wir mit durchschnittlich 48 Tageskilometern durch Mexiko geflogen sind. In Zentralamerika und Kolumbien haben wir es mit im Schnitt 40 Tageskilometern ruhiger angehen lassen.

Die ersten zehntausend Kilometer feierten wir in Veracruz (Mexiko).
In Huila (Kolumbien) knackten wir die Fünfzehntausend-Kilometer-Marke.

Wir sind in den letzten zwei Jahren einmal längs und fünfmal quer durch Nordamerika geradelt. Je schmaler der Kontinent wurde, desto schneller pendelten wir zwischen Pazifik und Karibik. Wohingegen wir für das erste Mal von Mazatlán in Mexiko über die belizianische Karibik bis La Union in El Salvador noch sechs Monate für viertausend Kilometer brauchten, waren es beim zweiten Mal über die costa-ricanische Karibik bis zum Pazifikstrand von Santa Clara in Panama nur noch drei Monate für eintausendfünfhundert Kilometer. Die letzte Amerikadurchquerung absolvierten wir kurz vor der Landenge von Panama in gerade einmal vier Tagen.

Mika hat mittlerweile mehr als die Hälfte seines Lebens auf dem Rad verbracht.

Wo es keine Straßen gab oder wir den Verkehr umschiffen wollten, haben wir im zweiten Jahr einundzwanzigmal mit Booten übergesetzt. Im ersten Jahr nutzen wir lediglich 19 Fähren. Darüber hinaus haben wir viermal (für jeweils 5 bis 20 Kilometer) unsere Route motorisiert überbrückt, um beispielsweise eine nebelige Bergabfahrt in Alaska zu vermeiden oder durch eine private Bananenfarm in Guatemala zu fahren. Die restlichen 15.390 Kilometer haben wir mit purer Muskelkraft zurückgelegt.

Fähre zur Vulkaninsel Ometepe (Nicaragua)
Die bisher längste Pause haben wir in Guatemala eingelegt, wo wir für zwei Monate unsere Beine baumeln ließen. In Costa Rica haben wir uns einen Monat und in Panama einen halben Monat ausgeruht. In anderen Monaten sind wir bis zu eintausenddreihundert Kilometer am Stück geradelt.

Im zweiten Jahr haben wir dreieinhalb Monate in festen Unterkünften pausiert. Beim Radeln sind wir einundneunzigmal, sprich jede dritte Nacht, zum Übernachten eingeladen worden. Das ist fast dreimal so häufig wie im ersten Jahr zwischen Alaska und der mexikanischen Halbinsel Niederkalifornien. Wir haben nicht nur bei den Einheimischen zu Hause, sondern auch in Schulen, Kirchen, Schwimmbädern, Restaurants, auf Feuerwachen und Booten geschlafen. Dafür konnten wir lediglich vierundsiebzigmal, sprich jede dritte bis vierte Nacht, zelten. Im ersten Jahr haben wir mehr als dreimal so viel gezeltet.

Auf unserer Route durch das mexikanische Festland, Zentralamerika und Kolumbien konnten wir nur sehr selten wild zelten, weil die Region sehr dicht besiedelt ist und viele Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. Auch aus Sicherheitsgründen haben wir uns oft gegen das Wildzelten entschieden. Meistens haben wir einfach die Einheimischen um Erlaubnis gebeten, unser Zelt auf ihrem Grundstück aufschlagen zu dürfen und sind dabei nie abgewiesen worden.

Unsere erradelte Höhe konnten wir von 1.376 m am Top of the World Highway in Alaska auf 2.716 m in der Sierra Madre Occidental in Mexiko verdoppeln. Mit den Anden vor der Zelttür ist da jedoch noch Luft nach oben. In der Sierra Madre Occidental sind auch das einzige Mal im zweiten Jahr die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gefallen. Ansonsten hatten wir eher das Gefühl, durch einen Backofen zu radeln. An der mexikanischen Golfküste standen fast 50 Grad auf dem Thermometer. Auch in Zentralamerika und Kolumbien haben wir unter der Hitze gelitten. Nachdem wir in Alaska über sechshundert Kilometer ohne Handyempfang unterwegs waren, verging zwischen Mexiko und Kolumbien kaum ein Tag ohne mobiles Internet. Lediglich in den kolumbianischen Anden waren wir für vier Tage außer Reichweite der Funkmasten. Die konstante Internetverbindung erlaubte uns im zweiten Jahr jeweils einen Artikel mehr zu schreiben (Marilyne 20 und Daniel 19). Die Anzahl unserer Co-Autor_innen stieg sogar von drei auf neun. Die Bildergalerien sind dafür leider eingeschlafen.

Wohingegen wir im ersten Jahr lediglich einmal interviewt worden sind, stieg die mediale Aufmerksamkeit im zweiten Jahr auf drei Zeitungs– und vier Fernsehinterviews an. Hinzu kommen noch einige Videos in den sozialen Medien.

Unseren Windelkonsum konnten wir von eintausendvierhundert auf fünfhundert Windeln im zweiten Jahr reduzieren. Die Umwelt wird es uns danken. Das Land mit den häufigsten Stromausfällen und den wenigsten Sitzen pro Toilette war Kolumbien. Das mit Abstand leckerste und vielfältigste Essen gab es in Mexiko.

Ceviche am Golf von Kalifornien in Mexiko

Wohingegen wir im ersten Jahr noch fünfmal Besuch aus der Heimat erhalten haben, kamen im zweiten Jahr lediglich zweimal Freund_innen und Familie vorbei.

Bandi, Matheo & Pao in Guatemala
Familienbesuch in Costa Rica
Dafür konnten wir in Mexiko und Guatemala viele Freund_innen besuchen.

Auch die Anzahl der Radreisenden, denen wir im zweiten Jahr begegnet sind, hat stark abgenommen. Auf dem mexikanischen Festland und in Zentralamerika konnten wir sie an einer Hand abzählen (1x Mexiko, 1x Nicaragua, 1x Costa Rica und 2x Panama). Genauso viele haben wir allein in Kolumbien getroffen. Es hat sich bemerkbar gemacht, dass viele Reiseradler_innen Zentralamerika überspringen. Von den Radreisenden, die wir in Alaska getroffen haben, sind die ersten nach anderthalb Jahren in Ushuaia auf Feuerland angekommen. Drei Pärchen haben ihre Reise aus gesundheitlichen, finanziellen oder Sicherheitsgründen abgebrochen. Einige sind noch unterwegs, so beispielsweise Natalie, die erste Transfrau, die alleine von Alaska nach Feuerland radelt.

Chris aus Deutschland und Sid aus Mexiko am Meiers Lake (Alaska)

Die Reiseradler_innen kommen überwiegend aus Europa, vor allem aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, aber auch aus den Niederlanden, Belgien, Italien und Spanien. US-Amerikaner_innen & Kanadier_innen haben wir lediglich in den USA & Kanada getroffen. Gelegentlich treffen wir auch lateinamerikanische compañer@s aus Mexiko, Costa Rica, Kolumbien, Brasilien, Chile und Argentinien.

Emma aus Kanada und José aus Chile in Tok (Alaska)

Im zweiten Jahr haben wir zwei Paar Anhängerreifen abgefahren (gegenüber fünf Paar im ersten Jahr). Die Schwalbe Marathon Plus halten bei unserer Belastung rund viertausend Kilometer. Wir fahren den Anhänger aber auch hart am Limit der maximalen Zuladung von 45 Kilo. An unseren Hinterrädern haben wir jeweils einen Schwalbe Marathon Mondial nach sieben- bzw. zwölftausend Kilometern wechseln müssen. Vorne fahre ich seit fünfunddreißigtausend Kilometern den legendären, aber mittlerweile nicht mehr erhältlichen Schwalbe Marathon XR. Jaja, früher war alles besser. 😉

Marilyne ist inzwischen Expertin im Schlauchflicken geworden.

Je mehr sich die Reifen abnutzten, desto mehr Platten hielten uns auf. Wohingegen wir im ersten Jahr lediglich elfmal pumpen mussten, standen wir im zweiten Jahr ganze sechsundzwanzigmal auf dem Schlauch (6x Anhänger, 3x Marla, 10x Marilyne und 7x Daniel). Das Kettenwechselintervall haben wir von zweitausend Kilometer im ersten Jahr auf alle eintausend Kilometer erhöht, um herauszufinden, ob die Ritzel dadurch länger halten. Daniel konnte die Laufleistung von sieben- auf elftausend Kilometer steigern. Dann war jedoch neben zwei Ketten auch jedes Mal das kleine Kettenblatt fällig, welches am Berg am meisten zu schaffen hat. Marilynes Ritzel haben wir wieder nach gut neuntausend Kilometern präventiv getauscht, weil Zehnfach-Ritzel und -Ketten in Lateinamerika nicht überall aufzutreiben sind.

Seit Kolumbien sind Marilynes hydraulische Felgenbremsen am Geberkolben undicht. Da hier lediglich hydraulische Scheibenbremsen gefahren werden, ist kein Ersatz in Sicht. Nachdem das erste Entlüften noch für eintausend Kilometer Abhilfe versprach, mussten wir die Bremsen zuletzt alle paar hundert Kilometer entlüften. Hydraulische Bremsen sind super – solange sie funktionieren. Perspektivisch werden wir wohl auf klassische V-Brakes umrüsten.
Auch im zweiten Jahr mussten wir wieder zwei Schaltzüge wechseln. Mir ist bereits zum zweiten Mal der Schaltzug direkt am Kopf gerissen. Das Kopfende aus dem Gehäuse zu pulen, ist eine sehr fummelige Angelegenheit.
Außerdem mussten wir Marilynes Tretlager in Costa Rica tauschen und eine gebrochene Anhängerfederung in Kolumbien schweißen lassen.

Trotz allem sind wir mit unseren Rädern und dem Anhänger sehr zufrieden. Nein, sie haben immer noch keine Namen bekommen, aber wir leben in einer sehr innigen und scheinbar unzertrennlichen Beziehung miteinander. 😉 Für das dritte Jahr wünschen wir uns ein paar Platten weniger, mehr Zeltplätze, weite Landschaften, kältere Temperaturen, weniger Funkmasten und endlich Windelfreiheit.

Auf ein weiteres Jahr mit viel Luft und Liebe! 🙂

Eine Antwort auf „¡Feliz cumple, Velomerica! – Zwei Jahre in Zahlen“

  1. Ach wie schön, und das alles so herzlich zusammengefasst. Von Berlin aus klingt das nach einer ganzen Menge an Zahlen, aber auch einfach nur schön ! Die Windelfreiheit klingt machbar, die restlichen Wünsche klingen auch keineswegs unrealistisch, also sollte es doch einfach mal nur schööööön werden was noch so vor Euch liegt. Liebe Grüße, Carola

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