Belize – Go slow, but keep moving!

Es heißt ja, dass andere Länder anders riechen. Auf Belize trifft das zu. Wir verbringen den ersten Abend auf der Veranda unseres Bungalows auf der kleinen Karibikinsel Caye Caulker und es dauert eine Weile, bis ich herausfinde, wonach es riecht.

Caye Caulker hat seit ein paar Jahren mit Unmengen an Seegras zu kämpfen. Die Insel hatte noch nie einen wirklichen Strand. Nun sind aber auch die letzten Uferbereiche nicht mehr zum Baden geeignet. Neben den Badegästen beschweren sich vor allem die Bootskapitäne, weil sich das Seegras in den Außenbordmotoren verfängt.
In der Karibik ist das Paradies jedoch nie weit weg: Eine kurze Bootsfahrt bringt uns zum zweitgrößten Korallenriff der Welt, wo wir das Vergnügen haben, mit Ammenhaien und sogar einer Seekuh zu schnorcheln.
Belize? Wo liegt eigentlich dieses Land? Während die älteren Generationen hierfür früher im Atlas nachgeschlagen und dort womöglich noch Britisch-Honduras gefunden hätten, lässt sich die Frage heute im Zeitalter des Internets mit einem Klick auf unsere Karte beantworten.

Belize riecht nicht nur anders, sondern klingt auch ganz anders. Wohingegen in den Nachbarländern neben den indigenen Sprachen überwiegend Spanisch gesprochen wird, ist in Belize Englisch die offizielle Kolonialsprache. Auf der Straße hören wir aber vor allem Kreolisch, ein uns unverständlicher Mix aus Englisch und indigenen Sprachen. Kulturell unterscheidet sich das Land deutlich vom restlichen Zentralamerika. Der karibische Einfluss ist unverkennbar. Neben den Kreol_innen (Nachfahren afrikanischer Sklav_innen) und den obligatorischen Mestiz_innen (Nachfahren europäischer und indigener Bevölkerung) lebt hier eine bunte Mischung aus Garifunas (Nachfahren afrikanischer Sklav_innen und Karib_innen), Mayas (indigene Bevölkerung) und Migrant_innen aus Guatemala, Honduras und El Salvador. Letztere sorgen dafür, dass doch erstaunlich viel Spanisch gesprochen wird.

Dieses Boot wird den sicheren Hafen voraussichtlich nicht mehr so schnell verlassen.

Die Uhren in der Karibik ticken langsamer  – wenn sie denn überhaupt ticken. So ist es nur konsequent, dass Caye Caulker “Go slow!” als Lebensmotto insziniert und mit chill out vibes die backpacker community umwirbt. Die Fahrradmitnahme im Wassertaxi war nervenaufreibend und das, obwohl wir nach über zwanzig Fähren auf dieser Reise schon einiges an Übung haben. Doch sobald wir das erste Rad an Land gesetzt hatten, genossen wir die stressfreie Atmosphäre. Wovon können radreisende Kinder mehr träumen als von einer autofreien Insel?

Mika beobachtet Seepferdchen.
Auch die Seepferdchen schwimmen langsam.
“Go slow!” bedeutet jedoch nicht, dass Du überall stehen bleiben oder gar verweilen darfst.
Wenngleich die Belizer_innen das Motto “No shirt, no shoes, no service!”, welchem wir in Kalifornien begegnet sind, angenehm abgewandelt haben, machen sie jedoch keinen Hehl daraus, wo der Spaß aufhört.

Im Vergleich zu den Nachbarländern ist Belize extrem teuer. Die Wirtschaft ist auf zahlungskräftige Tourist_innen ausgerichtet und wie so oft geht damit eine Mentalität einher, bei der Reisende als wandelnde Geldbörsen betrachtet werden. Schon bei der Einreise haben wir bemerkt, dass auf den belizianischen Gewässern ein anderer Wind weht. Nachdem wir bereits die Zollkontrolle passiert hatten, fiel den Beamt_innen eine halbe Stunde später ein, dass sie uns noch eine visual inspection fee berechnen wollten, da sie sich ja unsere Fahrräder angesehen hätten. Wir wunderten uns, warum wir diese Gebühr bei der letzten Einreise nicht bezahlen mussten.

“Seid Ihr das letzte Mal über Land eingereist?”

“Ja, Sir.”

“Deswegen.”

Wir ersparten uns die Frage, warum die Sichtkontrolle von Fahrrädern lediglich auf dem Seeweg Geld kostet. Grenzkontrollen sind sinnlos und werden sowieso bald abgeschafft.

Für andere Dinge geben wir unser Geld lieber aus. 😉

In Belize schließt sich ein Kreis. Unsere erste gemeinsame Radtour durch den Norden Guatemalas endete hier vor sieben Jahren. Die Karibik hat uns schon damals magisch angezogen. Uns fasziniert die kulturelle Melange. Wir sind jedoch mit dem Land nie so richtig warm geworden. Heute wie damals zieht es uns nach einer entspannten Woche Urlaub weiter.

Keep moving: Wir verlassen Caye Caulker bei strahlendem Sonnenschein …
… und fahren in ein Gewitter hinein.
Als wir in Belize City an Land gehen, regnet es in Strömen. Die ganze Stadt steht unter Wasser. Es wäre fast einfacher gewesen mit dem Boot nach Guatemala zu fahren. 😉 Das Bild, wie wir die überschwemmten Straßen furten, gehört leider wieder zu den nicht geschossenen Fotos – diesmal jedoch nicht aus Respekt vor den Einheimischen, sondern weil unseren Kameraakkus die instabile Spannung auf der Insel missfiel. 🙁
Immerhin spült der Regen das ganze Salz und den Sand von unseren Rädern. Wir stellen uns noch ein letztes Mal unter, bevor der Himmel langsam aufklart …
… und wir drei Kilometer vor der Grenze tatsächlich den ersten Wegweiser auf unserer Reise passieren, auf welchem Guatemala ausgeschildert ist. Kaum zu erkennen, aber wahr: Wir haben uns nach all der Zeit nicht verfahren! 🙂 Die Guatemaltek_innen bereiten uns einen herzlichen Empfang an der Grenze. Weil unsere belizianischen Dollar nicht mehr reichen, laden sie uns zum Essen ein.
Und dann überschlagen sich die Gefühle: Nach einem Jahr, drei Monaten und zwölf Tagen und 11.238 geradelten Kilometern erreichen wir unser erstes Etappenziel! Guate, Guate, Guaateee!! 🙂

Der Endspurt hatte es in sich. Ein bisschen erschöpft, aber äußerst glücklich überqueren wir die Grenze. Wir sind aufgewühlt und auch ein bisschen stolz auf uns. Wir haben es tatsächlich geschafft, aus eigener Muskelkraft mit Kind und Kegel fünf Länder zu durchqueren. Wer hätte das gedacht, als wir auf wackligen Rädern im ersten Gang in Fairbanks losgefahren sind? Wenn wir am Anfang unserer Reise erzählten, dass wir nach Guatemala radeln, mussten wir oft im gleichen Atemzug erklären, wo das Land überhaupt liegt. Im Gegensatz dazu wissen hier zwar alle, wo die USA liegt, aber ab und an müssen wir jetzt auch schon erklären, wo genau sich eigentlich Alaska befindet. Doch wer kennt sich in Europa mit den Ländern und Regionen Asiens oder Afrikas aus? Von Berlin aus könnten wir elftausend Kilometer bis in den Himalaya oder zum Kilimandscharo radeln. Europa könnten wir auf der längsten Achse vom Nordkapp bis nach Gibraltar sogar zweimal durchqueren. Im Vergleich zu Europa ist Amerika einfach riesig. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte des Doppelkontinentes erradelt. Es gibt also noch eine Menge zu entdecken. Die große Frage ist nun, wie es weiter geht.

Liebe Leser_innen, vielen Dank, dass Ihr unsere Reise bis hierhin so aufmerksam verfolgt habt. Wir legen nun erst einmal eine Radelpause ein. Die Zeit wollen wir nutzen, um uns und unsere Ausrüstung zu sortieren und uns Gedanken zu machen, wie wir den zweiten Teil der Reise gestalten. Es bleibt also spannend! 🙂

2 Antworten auf „Belize – Go slow, but keep moving!“

  1. Chère petite famille !! Nous voyons que votre voyage se passe bien. Pour les textes je n’ai pas pu traduire, mais sur les photos c’est tout sourire !! sauf sur celle où vous regardez ce paysage splendide !!!
    Marla a coupé ses cheveux !! les vêtements changent aussi !! je suis ébahie devant ce que vous arrivez à faire. D’où puisez-vous votre force ? On vous embrasse très fort !! H&G

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*