Península de Yucatán – ¡Hasta luego, México!

Glücklich, aber auch etwas wehmütig sitzen wir im Hafen von Chetumal und warten auf unser Boot nach Belize. Aus dem Lautsprecher dudeln die üblichen Schnulzen über Liebe, Leid und Leidenschaft. Wir haben gerade noch rechtzeitig die Grenze erreicht und verlassen Mexiko vier Tage bevor unsere Aufenthaltsgenehmigung abläuft. Sechs Monate haben wir gebraucht, um dieses riesige Land zu durchqueren. 4.400 Kilometer sind wir geradelt, von Mexicali auf der Halbinsel Niederkalifornien im Nordwesten bis nach Chetumal auf der Halbinsel Yucatán im äußersten Südosten – von den trockenen Wüsten und Halbwüsten bis in den immergrünen Regenwald, vom klirrenden Frost in den Bergen bis zur unerträglichen Hitze an der Golfküste. So abwechslungsreich wie die Landschaften, so bunt und faszinierend waren Land und Leute.

Die Räder und der Anhänger sind fertig zur Verschiffung.

Mexiko ist ein Land der Gegensätze. Der Stille in der Wüste schlägt die laute Musik aus jedem Dorf und von jedem Strand entgegen. Die Angst, die den Alltag der Mexikaner*innen bestimmt, steht im krassen Kontrast zu ihrer Lebensfreude, wie sie die Radfahrer*innen von Enlace Bikers México zeigen, wenn sie uns #AusPurerLustAmRadeln begleiten. Der Müll, der überall achtlos in die Natur geworfen wird, passt nicht zu den sauberen Häusern und Vorgärten, in die wir eingeladen werden.

Henne oder Ei: Der Müll oder das Schild, welches darauf hinweist, dass Müllabladen verboten sei?

Wir haben die unglaubliche Gastfreundschaft der Mexikaner*innen sehr genossen. Nie hatten wir Probleme einen Schlafplatz zu finden. Egal wo wir angehalten haben, weil unsere müden Beine nicht mehr strampeln wollten, wurden wir mit offenen Armen empfangen und durften unser Zelt aufschlagen. Mitunter haben uns auch Hotels zum Übernachten eingeladen, weil ihnen die Idee unserer Reise gefiel.

Hotel im mexikanischen Hochland

Mexiko ist allerdings auch das Land, in dem wir unser Recht am eigenen Bild an Facebook verloren haben. Facebook und WhatsApp haben die mexikanische Gesellschaft fest im Griff. Auch das marktführende Mobilfunkunternehmen sitzt mit im Boot und bietet unbegrenztes Datenvolumen für die Nutzung der sozialen Medien an. Die Netzabdeckung ist überraschend gut und allemal besser als an der Westküste der USA oder in Brandenburg. An den Rändern Mexikos in Niederkalifornien und Yucatán war der Empfang schwächer, aber auf dem Festland kommunizierten wir oft sogar mit 4G-Geschwindigkeit. Seitdem Rocío und Enrique uns interviewt und das Video auf Facebook hochgeladen haben, ist kaum ein Tag vergangen, an dem wir nicht auf der Straße von Unbekannten um ein Foto gebeten worden sind. Wir freuen uns sehr, wenn wir andere Menschen inspirieren können und lächeln bereitwillig in fremde Kameras. Wenn uns allerdings Reporter*innen ihre Smartphones regelrecht unter die Nase reiben, während die Kinder im Anhänger schlafen und wir eigentlich lieber weiter radeln wollen, damit sie keinen Hitzestau bekommen und nicht aufwachen, sehne ich mich manchmal ein bisschen nach der nordischen Zurückhaltung.

Mika übt sich in Zurückhaltung. 😉

Wie im letzten Monat in den USA radeln wir auch auf der letzten Etappe in Mexiko zu Höchstform auf. Auch auf Reisen gibt es Fristen, die eingehalten werden wollen. Manche sind fremdbestimmt, wie unsere ablaufende Aufenthaltsgenehmigung, andere sind hingegen selbstgesetzt, wie der nächste Besuch, der in Guatemala auf uns wartet. Sich zwischendurch kleine Etappenziele zu setzen, ist jedoch auch sehr hilfreich, um voranzukommen. 😉

Trotzdem wir in unserem letzten Monat in Mexiko 1.300 Kilometer radeln, bleibt ab und an noch Zeit, die Beine hochzulegen …
… oder baumeln zu lassen.

In Campeche radeln wir noch drei Tage an der Golfküste entlang, bevor wir in Richtung Chetumal abbiegen und in die Welt der Mayas eintauchen. Die Mayas haben hier einst ein beeindruckendes Imperium geschaffen, welches sich vom heutigen Südmexiko über Belize und Guatemala bis nach Honduras und El Salvador ausdehnte.

Zwischen Palmen und Pyramiden unterwegs auf Yucatán
¡Bienvenid@s al mundo maya!

Die verlassenen Maya-Städte locken nicht nur uns, sondern auch viele andere Tourist*innen in die Gegend. Das erste Mal seitdem wir auf dem mexikanischen Festland radeln, treffen wir auf augenscheinlich nicht mexikanische Tourist*innen.

Am beeindruckendsten sind die Pyramiden, die den Regenwald überragen, so wie hier in Calakmul.
Aber auch die kleineren Ausgrabungsstätten haben ihren Reiz. In Balamku begegnen wir weitaus mehr Affen als Tourist*innen.
In Chicanná sind wir die einzigen Gästen. Marla und Mika freuen sich über die Abwechslung vom Radelalltag. In den verlassenen Städten gibt es viel zu entdecken.
Die Aussicht entschädigt für den mühsamen Aufstieg auf den Tempel in Becán.

In Calakmul kommen wir Guatemala bereits auf 30 Kilometer Luftlinie nahe, aber uns trennt unwegsamer Dschungel, sodass wir noch weitere 350 Kilometer bis zum nächsten Grenzübergang radeln müssen. Wir nehmen den Umweg gern in Kauf. Gott sei Dank gibt es hier noch keine Straßen, denn mit den Straßen kommen die Menschen, die wiederum den Regenwald für die Land- und Viehwirtschaft abholzen. Auf unserer ersten gemeinsamen Radtour in Guatemala mussten wir auf der Suche nach dem Maya-Wald sehr weit in den Norden fahren. Diesmal mussten wir weit in den Süden radeln.

Das Biosphährenreservat Calakmul schützt zusammen mit dem Maya-Biosphärenreservat in Guatemala und kleineren Gebieten in Belize den zweitgrößten Regenwald Amerikas nach dem Amazonas. Die “selva maya” ist immerhin noch so groß wie die Schweiz, aber neben Holzeinschlag auch durch Erdölförderung und andere menschliche Aktivitäten bedroht.

An der Grenze in Chetumal passiert uns zum ersten Mal auf dieser Reise, was wir sonst eher aus den zentralamerikanischen Ländern kennen. Der Grenzbeamte versucht die Gebühr, die wir für unsere Aufenthaltsgenehmigung bei der Einreise in Mexicali bereits bezahlt haben, erneut zu berechnen. Wohingegen an den Grenzen in Zentralamerika mitunter willkührliche Gebühren ohne Quittung verlangt werden und Du entweder bezahlst oder die Grenze nicht überquerst, ist die mexikanische Masche subtiler. Wer bei der Ausreise nicht mehr nachweisen kann, dass die Gebühr bei der Einreise bereits beglichen wurde, wird erneut zur Kasse gebeten. Mal abgesehen von den umgerechnet 23 Euro pro Person, geht es hier vor allem ums Prinzip. Ich bin gern bereit Eintritts- oder Austrittsgelder zu bezahlen, wenn die Pesos an der richtigen Stelle landen. Es ärgert mich allerdings, wenn jemand sein Machtmonopol ausnutzt und Tourist*innen unter Zeitdruck Geld aus der Tasche zieht. Es gibt nur ein Boot am Tag nach Belize und das wartet nicht. Vielleicht war es eine dunkle Vorahnung, die mich vor einem halben Jahr die Quittung fotografieren und in der cloud ablegen lassen hat. Vielleicht hat uns auch geholfen, dass der Geldautomat am Hafen nicht funktionierte und wir unsere letzten Pesos bereits für das Fährticket ausgegeben hatten. Zumindest tut der Beamte nach endlosem Hin und Her so, als ob er uns einen Gefallen tun würde und erlässt uns die Gebühr. Als er mich zum Abschluss fragt, ob wir jemals nach Mexiko zurückkommen werden, antworte ich, trotz des faden Nachgeschmacks, ohne zu zögern: „¡Claro que sí!“. Wir haben hier eine großartige Zeit verbracht und es gibt immer noch viel zu entdecken – vielleicht das nächste Mal auf einer Fahrradtour von Süden nach Norden?

Doch erst einmal sind wir urlaubsreif und springen auf das Boot zur Karibikinsel Caye Caulker. ¡Hasta luego, México! 🙂

Eine Antwort auf „Península de Yucatán – ¡Hasta luego, México!“

  1. Mes bien chers !!! Tout semble bien se passer à voir vos visages radieux !! Un très grand merci pour la carte !!! vous prenez encore le temps de nous écrire !! c’est formidable !! Mika change, de tout petit garçon il devient garçonnet ; Marla grandit, ça se voit !! et tout ce petit monde tout beau, tout propre, vous êtes quand même super !!
    Quelle joie pour la Cath quand elle les a entendus chanter “bon anniversaire La Cath” !! Il lui manquait malheureusement Yanice et Lény ! Nous savons que vous êtes au Guatémala !!!Reposez-vous bien. Plein de bisous à vous quatre !!!! Huguette & Gaby

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