Leaving Seattle – On a golden autumn day

Seattle ist nicht nur Starbucks, Amazon und Bill Gates, sondern auch die Stadt, wo das Outdoor-Imperium REI gegründet wurde. Marilyne hatte bereits in Alaska eine Mitgliedschaft abgeschlossen und da REI als Kooperative ihren sechs Millionen Mitgliedern gehört, gehört der Laden nun also auch ein bisschen uns. 😉 Da ist es natürlich naheliegend, dass wir auch der Filiale in Seattle einen Besuch abstatten. Neben neuen Landkarten brauchen wir vor allem Warnwesten und zusätzliche Beleuchtung für den Anhänger, da es immer früher dunkel wird. Wir müssen uns – wie immer in den Outdoor-Geschäften – hüten, nicht zu viele von den really expensive items zu kaufen.

Unser Zelt, welches in Seattle in der Reparatur war, hat nun einen schönen Flicken in herbstlicher Tarnfarbe bekommen. Ein rotes Hilleberg ist doch viel fotogener! 🙂

„The object of your mission … the Pacific Ocean.“

 

„Yes, President Jefferson, challenge accepted.“

 

Die Frage ist nur: Wie kommen wir dahin? Lewis & Clark, die die erste Überlandexpedition der frisch gegründeten Vereinigten Staaten zum Pazifischen Ozean führten, legten die letzten Kilometer auf dem Boot zurück. Dafür müssen wir aber erst einmal zum Columbia River radeln. Wir überlegen lange hin und her, wie wir den Ballungsraum Seattle am besten verlassen. Letztendlich recherchieren wir Radwege im Internet und basteln uns eine Route durch Washington zusammen, die uns wieder zurück auf die Pacific Coast Route bringt. Langstreckenradwege, wie wir sie aus Europa kennen, sind in den Vereinigten Staaten immer noch rar gesät. Die Radrouten führen meistens über Landstraßen. Wir finden aber mehrere Radwege, die überwiegend auf stillgelegten Bahngleisen verlaufen und sich über kurze Passagen auf Landstraßen miteinander verbinden lassen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Es ist ein Genuss auf richtigen Radwegen zu pedalieren, nachdem wir seit Vancouver Island mit dem Verkehr auf den Highways zu kämpfen haben. Wir verlassen Seattle bei strahlendem Sonnenschein mit Blick auf den Mt. Rainier. Da werden noch einmal die Erinnerungen an den Denali wach.

Auch der Mt. Rainier erhebt sich (4.392 m) scheinbar aus dem Nichts, nur dass die Umgebung ein bisschen urbaner als der Denali National Park ist.
Bei der Aussicht haben wir sogar mit den Drängelgittern (hier eher Drängelblöcke) Nachsicht.
Der Mt. Rainier begleitet uns zwei Tage.
Halloween steht vor der Tür.
Das einzige, was unseren Schwung aufhalten kann, ist eine Schraube, die nach 3.700 km den ersten Platten an einem unserer Räder verursacht.

Auf unserem ersten wilden Zeltplatz vor den Toren Seattles geraten wir in eine Polizeikontrolle, die uns für Obdachlose hält. Weil es bereits dämmerte, haben wir unser Nachtlager notgedrungen unweit des Highways aufgeschlagen. Nachdem die Polizistin unseren Akzent bemerkt, dürfen wir beruhigt weiterschlafen. Wir treffen die Obdachlosen auf den städtischen Zeltplätzen, wo in der Nebensaison nun keine Urlauber_innen mehr zelten. Es gibt viele US-Amerikaner_innen, die durchaus freiwillig ihr Wohnmobil als Obdach nutzen. Wir treffen aber auch vermehrt auf Menschen mit traurigen Geschichten (abgebrannte Häuser, Arbeitslosigkeit, geringe Rente … ).

Vom Ozean trennen uns nur noch die Willapa Hills, die wir auch auf einer stillgelegten Bahnstrecke überqueren.
Der Oktober zeigt sich von seiner goldenen Seite.
Das Hinterland von Washington überrascht uns positiv.

Wir sausen die Willapa Hills hinab und erreichen den Pazifik. Ab jetzt radeln wir auf dem Highway 101, der uns bis nach Kalifornien bringt. Für Lewis & Clark war die Reise an der Mündung des Columbia Rivers zu Ende.

Cape Disappointment (am anderen Ufer sind bereits die Berge von Oregon in Sicht)
“Ocian in view! O! the Joy” (Clark)
“… men appear much Satisfied with their trip beholding with estonishment the high waves dashing against the rocks & this emence ocian …” (Clark)
North Head Lighthouse
Expeditionsteilnehmerin im Basislager

Hier endete auch die Überlandexpedition von Marc, der uns auf dem Highway abfängt und zu sich nach Hause in Long Beach einlädt. 170 Jahre nach Lewis & Clark, im Jahre 1976, radelte Marc mit ein paar Tausend Gleichgesinnten in kleinen Gruppen einmal quer durch die Vereinigten Staaten. Aus dem Bikecentennial sollte dann später die Adventure Cycling Association hervorgehen, welche unter Reiseradler_innen für ihre Karten und Radrouten (so z.B. auch die Pacific Coast Route) bekannt ist.

Martha & Marc aus Long Beach

Wir blättern in den 40 Jahre alten Radreiseführern. Die Küste von Oregon war schon in den 70er Jahren ein beliebtes Ziel für Radler_innen und der Reiseführer warnte schon damals vor den völlig überladenen Wohnmobilen, die sich auf dem 101 tummeln. Wir stürzen uns in das Getümmel, denn unsere Expedition ist noch nicht zu Ende. Für uns geht es über den Columbia River weiter nach Oregon.

Martha & Marc hatten uns vorgewarnt, dass die Brücke über sechs Kilometer lang und ein bisschen scary sei. Der Seitenstreifen ist schmal, die Autos fahren schnell und der Holzlaster hupt uns zur Seite … äh, Moment mal, wo sollen wir denn hier noch hin?!
Zum Glück ist eine Spur aufgrund von Bauarbeiten gesperrt und der Verkehr wird aufgehalten. Auf der Brücke treffen wir zum ersten Mal seit den San Juan Islands wieder auf companer@s. Wir sind doch noch nicht die letzten! 😉 Aber es werden langsam weniger.

Wir radeln noch bis in die Hotelstadt Seaside, wo wir uns zu Marlas viertem Geburtstag die erste bezahlte Unterkunft auf dieser Reise gönnen – gerade rechtzeitig bevor nach dem goldenen Herbst nun Sturm und Regen aufziehen.

Check-in: “Jacuzzi in view! O! The Joy!” (frei nach Clark)
Während es draußen stürmt …
… besuchen wir das Aquarium und fassen Seesterne an.
Happy Birthday, Marla! 🙂

2 Antworten auf „Leaving Seattle – On a golden autumn day“

  1. Coucou Marilyne.
    Quand je peu, j’essaye de suivre votre voyage, tant que faire se peu.
    Je voie que tout se passe bien. J’ai pue voir que les infants sont heureux. Super ce que vous faite.
    La route est encore longue alors bon courage et continuais à prendre du plaisir dans ce que vous faites.
    Bisous pour tout le monde.
    ELIO

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